Sehr geehrte interessierte Leserinnen und Leser, folgender Brief ist zur Weitergabe an meine Kolleginnen und Kollegen gedacht mit dem Anliegen, daß sich mehr und mehr anschließen, angemessen für gute Impfaufklärung und Patientenrechte samt Grundrechten einzustehen. Sie können ihn als pdf auch herunterladen. Gutes Gedeihen wünsche ich Ihnen und dem tatsächlich lebensdienlichen medizinischen Fortschritt, Uwe Haspel

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Wertgeschätzte Kolleginnen und Kollegen
und alle am Thema eingehend Interessierte!
Eine in eigenem Familienkreis im November 2019 erlebte Geschichte sei voraus erzählt.
Mit der damals noch geplanten Einführung der Masern-Impfpflicht erreichten mich schon
wochenlang Anfragen bezüglich Impfberatung und Nutzen-Risiko-Abwägung, woraufhin ich mich
natürlich auf mögliche Kontraindikationen und auch individuelle Gefahrenlagen besonn.
Ich schloß von Anfang an die Atopie von den Betreffenden selbst, oder bei Eltern und Geschwistern
- oft vergesellschaftet mit Polyallergie, Rhinitis allergica, Asthma bronchiale und Neurodermitis mit
ein. Dies begründete ich mit meiner über dreißigjährigen eigenen ärztlichen Erfahrung, und mit
vielen fachlichen und individuellen Berichten von Komplikationsneigung dieser
Erkrankungsgruppe in multipler Hinsicht.
Überraschend erreichte mich ein Anruf meiner Mutter, welche mir die Horrornacht einer lieben
Verwandten erzählte, in welcher diese um das Leben ihres ca viermonatigen Töchterleins bangte,
die Nacht nach der ersten Sechsfach-Impfung. Die Risikokonstellation liegt klar vor Augen, die
Großmutter schwere Atopikerin mit schwerem Asthma bronchiale seit Kindheit, auch Großvater
mütterlicherseits mit ausgesprochen labiler gesundheitlicher Konstitution, das heißt genetisch
bestehen erhebliche Risikofaktoren. Ich hätte der Mutter, wenn sie als Patientin gekommen wäre,
bereitwillig ein Attest mit medizinischer Kontraindikation und dem Hinweis auf das Muß der
eigenen Entscheidungsfreiheit nach sorgfältiger Impfaufklärung ausgestellt.
Wieso erzähle ich das? - Diese Familienerfahrung ist für mich seither starke Bestätigung meines
ärztlichen Vorgehens, weil ich hier auch als Mensch sehr schmerzvoll mitbetroffen bin, und nun
noch viel besser die Ängste und Sorgen der Patienten verstehen kann, die teilweise vergleichbaren
Horror schon gesundheitlich oder gar in Zusammenhang mit Impfungen erlebt haben.

Nun zur sachlichen Ebene:
Wir stehen nun vor einer Welle von offenen Fragen in Zusammenhang mit dem neuen
Masernschutzgesetz mit Impfpflicht.
Als Kernthema sei benannt –
Wieviel Nutzen und welche Risiken und Gefahren bringt dieses Vorgehen?
Dazu mehrere Aspekte:
Rein rechtlich obliegt uns Ärzten die Pflicht zu sorgfältiger Aufklärung und zur individuellen
Nutzen-Risiko-Abwägung – egal welcher medizinischer Maßnahme - , somit die Pflicht zum Schutz
von Menschen, welche auch durch Impfung gefährdet werden könnten.
Medizinisch lautet unsere Aufgabe: Wann stellen wir eine Kontraindikation fest?
Bei absoluter Kontraindikation ist der Fall ziemlich klar, der Patient ist schwer oft chronisch
erkrankt oder mit seinem Immunsystem in einem sehr zerbrechlichen Gleichgewicht.
Hier beleuchte ich vor allem die relative Kontraindikation, bei der der individuelle Faktor von
Anamnese und Befund oft großen Anteil hat.
Welche Risikogruppen haben wir unabhängig vom Individuum?
Der hiesige Gesetzgeber hält sich heraus diesbezüglich.
Allerdings haben wir geschichtlich und medizinpolitisch konkrete Parallelen.
Unten finden Sie Auszüge aus dem Impfgesetz der DDR (1), der BRD (2) bezüglich
Pockenimpfung und den CDC der USA (oberste Gesundheitsbehörde der USA) mit Auflistung
von sehr ähnlichen und auch von mir respektierten Kontraindikationen (3).
Fachlich haben wir auch ausgefeilte Empfehlungen zu Verfügung, hier sei das Impfkompendium
zitiert:
„Kontraindikationen können sein: Akute behandlungsbedürftige Erkrankungen, angeborene oder
erworbene Immundefekte für Lebendimpfstoffe, Schwangerschaft, progressive neurologische
Erkrankungen, Allergien z. B. gegen Impfstoffbestandteile wie Neomycin, Streptomycin oder
Hühnerproteine.
Eine Unverträglichkeitsreaktion nach einer vorausgegangenen Impfung ist bis zur Klärung der
Ursache eine Kontraindikation gegen die nochmalige Anwendung des gleichen Impfstoffs." - Heinz
Spiess: Impfkompendium, 5. Auflage 1999, S. 36
Des weiteren liegen etliche neue wissenschaftliche Arbeiten zum Thema
Autoimmunerkrankungen samt Allergie und Impfkomplikationen vor (Shoenfeld 2014 (4) –
Vadala et al 2017 (5))
Wesentlich differenzierter betrachte ich Risikokonstellationen in der jeweiligen betroffenen
Familie: Wieviele Familienmitglieder in welch nahem leiblichem Verwandtschaftsgrad sind von
genetischen Risikofaktoren betroffen, in welcher Stärke der Manifestation, mit welchem
Therapiebedarf und Verlauf etc., also sehr spezifisch für die Risikoabwägung des Einzelfalls.
Schließlich lade ich noch ein zu einer anderen, in etlicher Beziehung erweiterten Sicht des Begriffs
„Risiko“: Als meine Aufgabe betreibe ich seit über dreißig Jahren die Förderung und
Miteinbeziehung der Mündigkeit und des Gesundheitsbewußtseins des Patienten. Es mag
makaber für manche klingen – für diese Patienten wird es – so meine klare Erfahrung – immer
wichtiger, je mehr selbstverantwortlich sie mit ihrer Gesundheit lernen umzugehen, daß umso
gezielter und allermeist auch weniger sie chemische Medikamente nehmen und andere eingreifende
Maßnahmen (wie Operationen) sie sich unterziehen. Kurz gesagt, diese Menschen (und damit auch
die Kinder, für die sie Verantwortung haben) sind allermeist nicht nur wesentlich resistenter
bezüglich Infektionen (wegen des viel intakteren Mikrobioms, damit Immunsystems etc.), sondern
auch geschickter und kundiger im Umgang mit Infektions-Manifestationen. Aus meiner Erfahrung
habe ich dort allermeist viel weniger Angst bezüglich Komplikationen bei bakteriellen oder viralen
Infekten generell. Das können Sie mir so glauben oder nicht – ich habe auchden Vergleich zwischen
„den Schafsherden“ in der Stadtpraxis und den wilden „Rudeln“ auf dem Land.
Ich bin mir sicher, daß nicht alle von Ihnen den Kopf schütteln, sondern manche auch selbst etwas
wie den „siebter Sinn“ kennen, sowohl selbst, als auch bei Ihren Patienten. Damit meine ich, daß
wir manchmal eingreifende Dinge tun oder lassen, ohne daß wir in diesem Augenblick rational
formulieren können, wieso, und sich im nachhinein zeigen kann, worin der Sinn bestanden hat.
Diesen „Siebten Sinn“ spreche ich auch meinen Patienten zu, vor allem, wenn mein Eindruck ist,
daß es keine „Flausen im Kopf“ sind. Auch solchen Faktor halte ich für die Attestausstellung mit für
wichtig, auch wenn ich mich dadurch möglicherweise hier und dort angreifbarer mache. Ich gehe
davon aus, daß wir kein Auto sind, wo es um Vergaser und Bremsen geht, sonder ein beseeltes
Wesen mit Anbindung an eine allumfassende Weisheit, wie sie der die Einzelne auch nennen mag.

Schlußfolgerung
1. Wir haben konkrete medizinische Anhaltspunkte.
Ich selbst stelle medizinische Kontraindikation bezüglich Impfen bei
Autoimmunerkrankungen, schweren Defiziten oder Erkrankungen des Immunsystems (auch
Unterdrückung durch spezielle Medikamente=Immunsuppressiva), Anfallsleiden, besonders
Epilepsie (ohne erkennbaren Auslöser wie Tumor oder Trauma), neurologischen chronischen
Erkrankungen – mit Störung von Sprache, Motorik etc, psychiatrischen chronischen Erkrankungen
(ADS, ADHS, Lernschwäche, Autismus, manisch-depressive Erkrankung, endogene Depression…),
Impf-Nebenwirkungen oder gar Schäden und bestimmten chronischen Magen-Darm-Erkrankungen.
Dies betrifft sowohl die betroffene Person, als auch genetische Belastung vor allem bei Erkrankung
von leiblichen Eltern, Großeltern oder Geschwistern.
2. Ich führe mir immer wieder vor Augen: Wir Menschen sind keine statistischen Wesen,
Gesundheit ist kein Abzählreim. Risikoerhöhung ist für den Einzelnen in seiner Höhe
unberechenbar.
3 Ein möglicher Weg, welchen ich mit meinen Patienten gehe, ist die ausgiebige differenzierte
Erörterung mit Abwägung von Nutzen und Risiko spezifischer Impfungen, und die
Unterstützung der Patienten in ihrer Selbstentscheidung, wenn Gefahr für Gesundheit und
Leben durch diese Impfungen zu befürchten ist.
Das heißt, ich formuliere allermeist im Attest nicht, daß absolut keine Impfung verabfolgt werden
darf (außer in ganz speziellen medizinischen Fällen), sondern konstatiere, daß wegen Gefahr für
Gesundheit und Leben beziehungsweise bestimmter medizinischer Kontraindikationen die
Entscheidungsbefugnis bezüglich der betreffenden Impfungen beim Patienten oder bei den
erziehungsberechtigten Eltern der Kinder zu bleiben hat.

Quellen:
1) ...listet das DDR-Impfgesetz von 1980 u. a. folgende Kontraindikationen auf: "Schädigungen
des Zentralnervensystems, Fehlbildungen, Speicher- und Stoffwechselerkrankungen, neurologische
Ausfälle, psychische Entwicklungsstörungen, Epilepsie, Fieberkrämpfe, Geburtstrauma, Azidose, u.
a.".
2) ... im Rahmen der Pockenimpfpflicht in Westdeutschland finden sich Angaben wie
„Hautkrankheiten, Nervenleiden, Krämpfe, Anfälle, Epilepsie, Lähmungen, Gehirnentzündungen,
körperliche oder geistige Entwicklungshemmungen“.
3) betreffend: Krampfanfälle in der Familie und Fieberkrämpfe in der eigenen Vorgeschichte
Die „CDC“ - Centres for Disease Control and Prevention – oberstes staatliches
Gesundheitsinstitut der USA - erwähnen auf Ihrer Seite „Who should NOT get vaccinated?“
explizit deren familiäres Auftreten als bekanntes Impfrisiko.
Allergische Reaktionen sind dort ebenfalls erwähnt, wenn sie im Zusammenhang mit einer
Impfung standen.
Link: https://www.cdc.gov/vaccines/vpd/should-not-vacc.html
Zitat: betreffend MMR-Impfung
„...Has had an allergic reaction after a previous dose of MMR or MMRV vaccine, or has any
severe, life-threatening allergies.
• Is pregnant, or thinks she might be pregnant.
• Has a weakened immune system, or has a parent, brother, or sister with a history of
hereditary or congenital immune system problems. „
Zitat betreffend MMRV-Impfung
„...Has had an allergic reaction after a previous dose of MMRV, MMR, or varicella vaccine, or
has any severe, life-threatening allergies.
• Is pregnant, or thinks she might be pregnant.
• Has a weakened immune system, or has a parent, brother, or sister with a history of
hereditary or congenital immune system problems.
• Has ever had a condition that makes him or her bruise or bleed easily.
• Has a history of seizures, or has a parent, brother, or sister with a history of seizures.
• Is taking, or plans to take salicylates (such as aspirin). „
Auf einer anderen Seite erwähnen die CDC sogar „family history of immunodeficiency“ als
Impfrisiko.
Link: https://www.cdc.gov/vaccines/hcp/acip-recs/general-recs/contraindications.html
„Contraindications MMR-vaccination
Severe allergic reaction (e.g., anaphylaxis) after a previous dose or to a vaccine component
Pregnancy
Known severe immunodeficiency (e.g., from hematologic and solid tumors, receipt of
chemotherapy, congenital immunodeficiency, long-term immunosuppressive therapy(g) or patients
with HIV infection who are severely immunocompromised)
Family history of altered immunocompetence(h)“
4) Predicting post-vaccination autoimmunity: Who might be at risk?
Alessandra Sorianoa, Gideon Nesherb,, Yehuda Shoenfeldc, Pharmacological Research 92 (2015)
18–22
5) Vaccination and autoimmune diseases: is prevention of adverse health effects on the horizon?
Maria Vadalà & Dimitri Poddighe & Carmen Laurino & Beniamino Palmieri
EPMA Journal (2017) 8:295–311